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Master thesis

Ursula

Das Restaurant Walensee ist eine seit Jahren stillgelegte Raststätte an der A3 direkt am Seeufer, welche jeder Autofahrer auf dem Nachhauseweg Richtung Zürich kennen sollte. Trotz schnellem Vorbeifahren bleibt es allen im Gedächtnis hängen. Dies vielleicht nicht wegen dem extravaganten Bau, sondern vielmehr, weil es in einer kleinen Bucht direkt am türkisfarbenen Walensee mit einer atemraubenden Aussicht ganz ohne Nachbar steht. Die wirtschaftlichen Prognosen für das in die Jahre gekommene Restaurant stehen ziemlich schlecht. Es wir spekuliert, dass in naher Zukunft eine zweite Spur neben den bereits vorhandenen Autobahntunnel verlegt werden soll. Dies würde auch den Abriss der Raststätte erfordern, da es ein weiterer Stollen benötigt. Das in die Jahre gekommene unbewohnte Gebäude verwandelt sich langsam in eine Ruine.

Das Gebäude besteht aus einer eifachen Stützen-Platten-Konstruktion mit vier Geschossen, die jeweils unterschiedliche Funktionen besitzen. Was das Gebäude in meinen Augen einzigartig macht, ist die schmale Brücke aus Beton, die sich elegant über die Autobahn spannt. Dazu kommen zwei massive und durch die Struktur und Materialität monumentale Treppen, die seit der Verlegung der einen Autobahnspur in den Tunnel und zugleich Schliessung des Parkplatzes keinen Zweck mehr erfüllen. Das Gebäude ist völlig entwurzelt und könnte irgendwo anders stehen.

Die Brücke mit seinen zwei Aussentreppen scheinen wie Arme und das Gebäude wie der Kopf eines Tintenfisches. Ein Tintenfisch kann je nach Aufgabe und Funktion seine acht Arme verdicken oder verlängern, sich damit festsaugen oder festklammern. Mit dieser Assoziation entstand mein Konzept, dem Gebäude durch neue und zusätzliche Arme wieder eine Funktion und neue Wurzeln zu geben. Die Treppen folgen in ihrer Form der Umgebung und Funktion, was auch in den zusätzlichen neuen Armen weiterverfolgt wird.

Der Balkon im zweiten Geschoss verlängert sich bis zum Seeufer und endet in einem Steg, wo grössere Schiffe anlegen können. Somit eine neue Anbindung an die bereits sehr oft fahrenden Kursschiffe auf dem Walensee. Ein anderer Arm gräbt sich im Untergeschoss durch die Erde und verschafft als neue Haltestelle eine Anbindung ans Zugsystem. Ein weiterer greift durch die Lüfte und über die Felskante zum Bergdorf Filzbach und verwandelt sich in eine Gondel. Die vertikale Erschliessung untereinander geschieht je nach Funktion durch die individuellen Treppen im Gebäude.

Das Gebäude bleibt Kopf und damit Gehirn des Oktopus und dient als Hauptzentrale des „Terminals“. Jeder Arm ist mittels einer Treppe mit der Strasse verbunden, womit jedes Geschoss seine eigene Funktion besitzt.

Das Ergebnis ist ein öffentlicher strukturell geprägter Terminal mit einer 10km langen stillgelegten zweispurigen Autobahn durch mehrerer Tunnels zwischen Weesen und Mühlehorn, welche sich in eine Freizeitstrasse für Radfahrer, Skater, Wanderer umwandelt. Eine einzige Ausnahme dieser Arme ist der Fussweg oder ehemalige Radweg, der sich hinter dem Gebäude durchschleicht. Der neue Weg gräbt sich durch das Gebäude und schafft somit eine Präsenz durch seine materielle Leichtigkeit und Modularität. Der Wanderweg ist eine Ausnahme in der Form und Materialität, weil er sich nicht an eine infrastrukturelle Funktion anbindet sondern ein fortlaufender und unendlicher Weg darstellt ohne auf ein anderes Transportmittel umzusteigen zu müssen.

Mit diesem Projekt soll das Weiterbestehen des Gebäudes gesichert werden. Das Gebäude kann sich dem Drang des Individualverkehrs widersetzen, welcher einst Grund für seinen Bau war und nun seine Existenz in Frage stellt.

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