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Master thesis

Das Komplette Aussen

Zürich – eine Grossstadt im Mittelland. Augio – ein Dorf im südlichsten Teil des Berggebiets Adula. Zwei total unterschiedliche Orte. Zwei Orte, die nun in Be­ziehung zueinander gebracht werden sollen. Die Distanz der beiden Orte be­trägt 122 Kilometer. Dies entspricht zwei und ein neuntel des Gebiets Adula. Eine direkte Verbindung wird konstruiert, dass in regelmässigen Abstän­den von einem Kilometer ein Volumen gesetzt wird. Jeder Kilometer ist wieder eine neue Landschaft, ein neuer Ort mit ihrer eigenen Geschichte. Alle diese Gegenden treten nun in Verbindung durch eine Bilderkette von Aufnahmen. Das Projekt bezieht sich auf den lokalen, regionalen Massstab mit nationaler Dimension. Jedes gebaute Volumen soll als Teil der Landschaft betrachtet werden. Das Ziel der ausgestellten Arbeit ist es, eine andere Sichtweise und eine neue architektonische Leseart einer Verbindung zu zeigen.

Die Tatsache, dass man nur durch ziehen einer geraden Linie auf der Landkarte und durch Zufall ergebene Punkte auf spannende Orte trifft, ist bemerkenswert. Die Bauten stehen auf geographisch und kulturell symbolischen, sowie auf historisch relevanten Schauplätzen. Die Volumen treffen auf Infrastrukturen wie dem Zürcher Hauptbahnhof, der Autobahn A3 Richtung Chur, auf Bahngleise und Wanderwege. Sie stehen am Ausgangspunkt der Stadt Zürich, dort wo Resten der ersten Besiedlung gefunden wurden. Sie liegen bei den Quellen der Flüsse, wie beispielsweise der Linth, welche beim Clariden- und dem Tödimassiv entspringt und schlussendlich durch den Zürichsee in die Limmat mündet oder andere vergleichbare Orte, wie der Ursprung des Rheins und der Muota. Die Verbindung zieht über den Zürichsee und anschliessend durch  den Dickicht von Wälder, durchquert Sumpfgebiete, Felder und an Bauernhöfen vorbei. Die Linie durchquert das Muotatal und führt entlang dem Bisistal über den Klausenpass, bis hin zum Piz Cazarauls. Danach folgen die Gebirge des Val Russein, der Survelva bis hin zum Val Sumvidg. Die Stationen durchqueren die Kernzone des Adulamassivs, über die Hochebene Greina, vorbei am Rheinwaldhorn bis hinein ins Calancatal zur Endstation Augio. Manchmal trifft der Standort des Gebäudes auf eine Felswand, die allein den Gämsen und den Steinböcken oder dem ewi­gen Eis zugehören. Oft sind es dabei auch intakte Gebiete, die man als alpine Brachen bezeichnet. Weitere Bauten stehen in der Nähe von Strommasten, Staudämmen und Elektrizitätswerken, die unter anderem auch Unterwerke oder Partner der EWZ sind.

Die direkte Luftlinie durchdringt auch unterschiedliche Arten von Strömen. Einerseits ist es der Menschenstrom und anderseits der Energiestrom in Form von Wasser und elektrischen Strom. Wir haben den Wassertropfen, der von einem Standort als Quelle in unmittelbarer Umgebung der Station hervortritt und am andern Standort als kräftiger Fluss wieder erscheint und seine Kraft in Energie umgewandelt wird. Die Fixpunkte entlang der Linie können als Monu­mente, Kilometersteine, Wegweiser und als Anziehungspunkte zugleich be­trachtet werden. Hier entstehen Begegnungen mit der Natur und mit den Be­wohnern. Die Volumen stellen einen Übergang dar und sind als bildendes Tor zu betrachten. Ähnlich wie Lucius Burckhardt in seinem Werk „Warum ist Land­schaft schön“ den Städter beschreibt, der das Tor öffnet und aufs Land hinaus­tritt. Daher wird nicht nur der Begriff „Bergtor“ sondern auch das „Stadttor“ relevant. Dasselbe gilt auch für den Bergler, der ins Tal herabkommt, verschie­dene Orte durchquert und sich das Tor der Stadt eröffnet.

Wie beim Bauen im Gefälle, in welchem das Terrain ausgeglichen wird, passt sich das Volumen an die gegebene Substanz an. Alle Bauten haben den gleichen Umfang von 18 Meter auf 34 Meter, wobei einzig die Höhe variiert. Die Dimensionen sind so entworfen, dass jede geforderte Funktion darin Platz findet. Das Objekt über­nimmt den höchsten Punkt des Bauplatzes. Manchmal ist es eine Plattform, manchmal sogar ein Hochhaus. Die Volumen haben immer die gleiche Ausrichtung von 157 Grad. Alle sind miteinander verwandt und doch ist jedes wieder anders. Sie weisen auf die Differenzen und die Gegensätze hin, aber zugleich auch auf die gemeinsame Verbindung. Der einfache Körper bekommt Bedeutung, Sinn und Gestalt durch seine unmittelbaren, landschaftlichen Gegebenheiten. Das Gebäude existiert nur durch den Kontext. Es wird zur Darstellung der Landschaft und zu­gleich selbst zum aktiven Bestandteil des Ortes. Wie ein Bricoleur nimmt es Ele­mente von der Umgebung auf und spiegelt sie sanft nach aussen. Jedes hat seinen Charakter und repräsentiert die beruflichen Tätigkeiten, die am Ort vollbracht werden und trägt dazu einen passenden Namen. Die Bilder sind mit den Ortsnamen beschriftet wie auch mit den Koordinaten der Standpunkte bei der Fotoaufnahme. Was die Vermessung und die Bildmontage anbelangt, so basiert diese auf mathematischen Berechnungen und Konstruktions­verfahren, welche im Handbuch ersichtlich sind. Die Dokumentation der Besichti­gung der Punkte wurde in einer Reisereportage festgehalten. Durch das persönli­che Begehen aller Stationen wird man selbst zum Werkstättler, der die Distanz zusammenschweisst, entlang Strassen und Wegen wandert, beim Erklimmen der Berge in Felsen meisselt und an der gebauten Substanz hobelt. Dadurch wird man zum Vermittler zwischen diesen zwei Regionen.

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